Rituale...

...helfen beim ersten Begreifen des Todes. Sie geben den Hinterbliebenen Möglichkeiten vor, wie sie den sterbenden Menschen begleiten können. Sie bringen Kontrolle in ein unkontrollierbares Geschehen und schaffen dadurch Orientierung und geben Sicherheit. 

Jeder Trauerweg ist so einzigartig und individuell, wie die Menschen es sind, die ihn gehen. Das Entwickeln von individuellen Ritualen schafft für den Hinterbliebenen Sicherheit, fördert das Gefühl von Ruhe, von Selbstwirksamkeit und kollektiver Wirksamkeit und Hoffnung. Individuell gestaltete Rituale setzen der erlebten Hilflosigkeit etwas entgegen und können als Präventivmaßnahme zur Vorbeugung schwieriger Trauerverläufen gesehen werden. Sie schaffen eine tiefe Verbundenheit und Nähe mit der verstorbenen Person. Individualisiert gestaltete Rituale können einen großen Entlastungsfaktor für die Hinterbliebenen bieten, da sie die Gefühle der Trauernden aufgreifen und diesen einen symbolischen Ausdruck geben - damit begünstigen sie wichtige Traueraufgaben auf dem Trauerweg.


Beispiele für Abschiedsrituale in Zeiten, in denen physischer Kontakt nur eingeschränkt möglich ist

Abschiedsrituale für den Einzelnen

  • Gestaltung eines schönen Platzes in der Natur zum Andenken an die verstorbene Person – hier kann ein stellvertretendes „Kümmern“ um diesen Platz erlebt werden und die Vergänglichkeit kann anhand des Zerfalls (Jahreszeiten) oder der Veränderung des gestalteten Platzes erlebt werden.
  • Errichten eines Gedenkortes zu Hause 
  • Brief an den Verstorbenen – hier können alle noch unausgesprochenen, offenen Gedanken und Gefühle ihren Eingang finden und der Brief kann z.B. als Sargbeigabe gegeben werden.
  • Grabbeigaben – ein Brief, Fotos, eine Kinderzeichnung, ein Gegenstand, den die verstorbene Person sehr geliebt hat.
  • Gestaltung einer Kerze, die man bei Trauer oder in Gedenken an den Verstorbenen anzünden kann. Wenn sie brennt, kann das für andere Anwesende ein Zeichen sein, das Gespräch über den Verstorbenen zu suchen oder den Trauernden Halt und Zuwendung zu geben.
  • Selbst gebastelte Schiffchen auf dem Bach/Fluss/See fahren lassen – sie symbolisieren das Gedenken und Abschiednehmen


Abschiedsrituale für Familien

  • Sich gegenseitig Erinnerungen von der verstorbenen Person erzählen – per Telefon, Videochat, im Dialog oder als ganze Gruppe
  • ·Gemeinsam Rituale zu einer vereinbarten Zeit vornehmen - eine Kerze anzünden, Luftballon steigen lassen, dem Lieblingsmusikstück des/der Verstorbenen lauschen, Fotos betrachten
  • Einen Erinnerungsbaum pflanzen
  • Eine Gedenkfeier für danach planen


Abschiedsrituale für Kollektive

(Gemeinden, Vereine, Grätzl, ....)

  • Gemeinsamer Schmuck der Fenster zum Gedenken an den/die Verstorbene(n), z.B. am Tag des Begräbnisses 
  • Gemeinsames Musizieren 
  • Beilegung von Blumen oder Briefen an einen Gedenkort/vor die Tür der/des Verstorbenen 
  • Ein Gedenkalbum anlegen (auch Online möglich) – mit persönlichen Geschichten, Fotos