Tod und Abschiednehmen sind schon ohne Corona-Krise keine leichten Themen...
... der Tod eines nahen Angehörigen, eines Kindes oder Freundes stellt uns vor große Herausforderungen und kann unser Leben für immer verändern. Nichts ist mehr, wie es war. Verlassen bleiben wir zurück und müssen unser Leben neu ordnen. In der ersten Phase der Trauer – der Zeit am Sterbebett und die Tage danach – geht es ums „Überleben“ (Paul, 2019) der Hinterbliebenen und darum, den Tod „wirklich“ werden zu lassen. Hilfreich können uns dabei das Begleiten der letzten Stunden des sterbenden Menschen, das Abschiednehmen im Kreis der Familie und Freunde und die gewohnten Rituale, wie Begräbnis oder Totenfeier, sein.
Derzeit befinden sich viele Menschen in einer emotionalen, finanziellen und sozialen Ausnahmesituation. Es gibt keine gewohnten Alltagsstrukturen, Ängste, Überforderung und Hilflosigkeit bestimmen die Gefühle in weit größerem Ausmaß, als noch wenige Wochen davor. Man könnte sagen, dass viele Menschen verletzlicher geworden sind. Wenn nun zu dieser persönlichen und kollektiven Krisenerfahrung ein weiteres schmerzliches und belastendes Ereignis hinzukommt – der Tod eines nahen Angehörigen oder Freundes – kann dies zu starken emotionalen Beteiligungen und Stressreaktionen, im schlimmsten Fall auch zu Traumareaktionen, führen. Es mangelt den trauernden Hinterbliebenen durch die derzeitige häusliche Isolationssituation an mitmenschlicher sozialer Unterstützung und Begleitung. Das gemeinsame Miteinander ist momentan nicht möglich. Fehlender Abschied und mangelnder Gestaltungsspielraum in der Umsetzung von gewohnten Ritualen können zu erlebten Gefühlen der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins führen.
Warum sind Rituale wichtig?
Religiöse und volkstümliche Rituale helfen beim ersten Begreifen eines Todes. Sie geben den Hinterbliebenen Möglichkeiten vor, wie sie das Sterben begleiten können. Sie bringen Kontrolle in ein unkontrollierbares Geschehen und schaffen dadurch Orientierung und geben Sicherheit. In Ritualen können wir unseren Gefühlen für den Verstorbenen Ausdruck verleihen, sie stellen eine letzte Wertschätzung des Verstorbenen dar oder es kann der „letzte Wille“ des Verstorbenen durch ihre Ausgestaltung seinen Ausdruck finden. Darüber hinaus erleben wir innerhalb einiger dieser Rituale Verbundenheit mit anderen Trauernden und das soziale Netz in das die Hinterbliebenen eingebunden sind, wird deutlich und aktivierbar. Je mehr Handlungsspielräume Trauernde von Anfang an haben, desto selbstbewusster gehen sie ihren weiteren Trauerweg. (Paul, 2019, S. 44) Wenn uns nun aufgrund der Pandemie mit dem Covid-19 Virus der Weg zu gängigen und gewohnten Ritualen verschlossen ist, wird es notwendig, individuelle, alternative Rituale zu entwickeln, um den Hinterbliebenen zu neuen Handlungsspielräumen zu verhelfen.
Ganz grundsätzlich sollte man über Trauer wissen, dass
- sie ein ganz normaler und notwendiger (Er-)Lebensprozess ist.
- sie uns hilft, uns zu erinnern, dem Verlorenen einen festen Platz in unserem Leben zuzuordnen und wieder neuen Lebenssinn und Hoffnung zu entwickeln.
- sie lange dauern kann, in unterschiedlichen Phasen verläuft und es immer wieder Zeiten gibt, in denen sie stärker zu spüren ist.
- Weinen ein angemessener Ausdruck der Trauer ist, aber auch Gefühle, wie z.B. Verzweiflung, Schuldgefühle, Wut vorkommen und Teil eines normalen Trauerprozesses sind.
- das Ausmaß und Länge der Trauer sehr individuell sind und durch Faktoren wie Bindung zum/zur Verstorbenen, vergangene unbearbeitete Trauer, Umstände zum Todeszeitpunkt, innere Ressourcen, Persönlichkeit etc. bedingt sein können.
- es Trauernden hilft, ihre Gefühle auszudrücken
- Trauernde zwischendrin auch Lachen oder unbeschwerte Momente erleben dürfen und dies nichts über die Schwere des Verlustes aussagt, sondern eher etwas über die Fähigkeit der Person, schwere Belastungen und Krisen zu bewältigen.
Was tut Trauernden gut und ist ihnen hilfreich?
Trauernden hilft, wenn
- man für sie da ist, ihnen zuhört und sie Gelegenheit bekommen, über ihren Verlust zu reden.
- man auf sie zugeht und behutsam Kontakt anbietet – oft haben trauernde Menschen nicht die Kraft, von sich aus nach Hilfe zu fragen oder Kontakt zu halten.
- man an wichtige Daten oder Jahrestage des Verstorbenen denkt.
- man praktische Hilfen anbietet, z.B. Einkäufe erledigt, Essen kocht, Unterstützung bei Amtswegen.
- sie spüren, dass man an sie denkt (Sms, Brief, kleine Aufmerksamkeiten, Sprüche oder Gedichte sendet…).
- man ihnen Ablenkung anbietet (Gespräche, Bücher…).
- man sie nicht beurteilt und drängt, sondern geduldig an ihrer Seite steht.
- man von den üblichen Phrasen absieht (zb. Das wird schon wieder, Es war Gottes Wille, Jetzt leidet er/sie nicht mehr) und stattdessen zuhört und nachfragt, wie die trauernde Person die Situation erlebt und wie man ihr hilfreich sein kann